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Ballspielen macht Spaß – häufig nicht nur den Hunden, sondern auch uns Haltern. Es ist so schön einfach: Mensch wirft Ball, Hund rennt begeistert hinterher und bringt den Ball bestenfalls gleich wieder zurück, sodass es von vorne losgehen kann. Die Begeisterung des Hundes wird jedoch häufig falsch interpretiert. Aus dem anfänglichen Spaß am Ballspiel kann schnell Gier und ein Problem werden, das sich auf viele Bereiche des Hunde- und auch Menschenlebens auswirkt.

Viele kennen es: Man braucht nur das Wort „Ball“ in den Mund zu nehmen oder den Gegenstand der Begierde in der Hand zu halten und der Hund flippt völlig aus vor „Freude“.
Von starrem Fixieren, Jammern bis forderndem Bellen ist alles dabei – einigen Hunden scheinen vor Erregung beinahe die Augen aus dem Kopf zu fallen.

Ihr Hund würde einem fliegenden Ball auch aus dem 16. Stock hinterher jagen? An diesem Punkt muss man von Suchtverhalten sprechen. Sucht macht keinen Spaß und Sucht lastet auch nicht aus. Sucht bedeutet Stress, Unruhe, Vernachlässigung von Selbsterhalt und Selbstschutz und häufig die Unfähigkeit, sich mit anderen Lebensbereichen zu befassen, weil eben nur noch der Ball eine Bedeutung hat.

Zeigt ein Hund dieses extreme Verhalten, kann man guten Gewissens wortwörtlich vom Balljunkie sprechen, denn im Gehirn des Hundes geschehen ähnliche Prozesse, wie bei einem drogensüchtigen Menschen – in beiden Fällen hat der Botenstoff Dopamin die Finger im Spiel, welcher aufgrund einer Belohnung ausgeschüttet wird. Dopamin hat zur Aufgabe, die Aufmerksamkeit auf Reize zu lenken, deren Befriedigung zu einem wohligen Gefühl führt. Menschen sowie Hunde entwickeln Strategien, um immer wieder an diese Belohnung zu kommen.
Balljunkies ist es häufig kaum möglich, sich lange zu konzentrieren – jede Ablenkung, ob fliegendes Blatt, Vogel oder Auto – jede dieser Bewegungen könnte eine potenzielle Suchtbefriedigung darstellen. Eine Kooperation zwischen Hund und Halter scheint unmöglich.

Eine weitere Problematik ist die „Vermischung der Antriebe“. Halter beobachten häufig, dass ihre Hunde eigentlich sehr sozialverträglich sind, es aber im schnellen Spiel immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt. Die Vermischung von anfänglichem Spiel mit einem Artgenossen, der lustige Haken schlägt und dabei freudig quietscht und bellt kann bei konditionierten Ball- und Bewegungsspielen zu einer Jagd kippen und letztlich zum Beutefangverhalten werden. Diese Vermischung der Antriebe ist auch deshalb bedenklich, da im Zusammenleben mit uns Menschen ähnliche Auslösereize mit Kindern, Joggern und Radfahrern möglich sind.
Jagdverhalten hat nichts mit Aggression zu tun. Ein Hund, der jagt, ist nicht gleich aggressiv. Das Jagen in seiner natürlichen Form dient dem Überleben. Das hat zwar nichts mit Aggression zu tun, ist aber trotzdem gefährlich für den Gejagten.

Um das Ballspielen jedoch nicht gänzlich zu verteufeln: Es gibt natürlich Hunde, die mehr oder weniger anfällig für diese Probleme sind. Das kann rassebedingt, aber auch innerhalb einer Rasse variieren. Nicht jeder Ballspieler ist gleich ein Balljunkie.

Die Themen „Sucht“ und „Vermischung der Antriebe“ sind weitaus komplexer als hier dargestellt. Der Beitrag soll keine wissenschaftliche Abhandlung darstellen, sondern dazu ermuntern, über die gemeinsamen Spielgewohnheiten nachzudenken und zu schauen, ob in Ihrem Team alles im Lot ist.

Euer DOG Study-Team

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