Wir Menschen finden die Vertreter der kleinen Rassen häufig besonders niedlich – kleine Kulleraugen, süße Näschen und handlich wie ein Teddy.

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Es gibt jedoch auch Beschreibungen, in denen die Kleinen nicht so gut wegkommen: „Das ganze Gekläffe, Wadengebeiße und Herumgetanze – das sind doch keine Hunde!“

Man kennt es, oder? Süß sind sie ja, aber nervtötende Kläffer hat man auch schon häufiger getroffen.

Ist vielleicht etwas Wahres dran? Sind kleine Hunde wirklich anders als große und wenn ja, wieso?

Immer wieder begegnen wir kleinen Giftzwergen, die nicht selten auch ihre spitzen Zähnchen als Überzeugungswerkzeuge benutzen würden. Viel zu aufgeregt, hektisch und unsicher tippeln diese durch ihr Leben.

Auch wenn es definitiv Vertreter großer Rassen gibt, die sich so oder so ähnlich verhalten, beobachtet man es doch häufiger bei kleinen Hunden.

Doch warum ist das so?

Wir denken hier einerseits an den Niedlichkeitsfaktor und andererseits an das Gewicht der Mini-Vierbeiner.
Es fällt uns Menschen sehr schwer, so einem Knopfauge irgendetwas zu verbieten. Mitleid macht sich breit, die Erziehungsmaßnahme wird schleunigst abgebrochen, wenn der traurig-vorwurfsvolle Blick des Minis unsere Augen trifft. Daraus lernen Hunde unglaublich schnell – Schwanz unter den Bauch, Ohren nach hinten, herzzerreißend die Stirnfalten kräuseln und zur Kür noch ein bisschen zittern. Zack, der Mensch lässt von seinem Vorhaben ab, so winzig und banal die Einschränkung auch gewesen wäre. Der Mini lernt dabei fürs Leben – nur eben nicht das, was dem gemeinsamen Leben zuträglich wäre.

… und es sind Fliegengewichte. Es ist schlichtweg ein Unterschied, ob drei oder dreißig Kilogramm an der Leine ziehen. Auch Leinengepöbel wirkt weitaus weniger dramatisch, wenn man einfach weitergehen und das Leichtgewicht „mitziehen“ kann. Das Gekläffe kann man eventuell ertragen und das ist an der nächsten Ecke ja häufig auch vorbei.

Beansprucht der Zwerg die Couch und regt sich bei Annäherung auf, ist das nicht so dramatisch, denn die Hand ist nicht gleich ab.
Spinnt man die vorangegangenen Beispiele einmal mit Labrador, Schäferhund & Co. durch, sieht die Sache schon anders aus. Der knurrende Rottweiler auf der Couch wirkt wesentlich bedrohlicher und ein in der Leine hängender und aggressiv bellender Boxer wird von Passanten in der Regel wenig gemocht und auch nicht als niedlich empfunden.

Der freilaufende Zwergpinscher, der einen Spaziergänger im Wald stellt, ist noch irgendwie drollig. Bei einem nicht angeleinten Schäferhund, der sich zähnefletschend aufbaut, wird einem plötzlich doch ganz mulmig.

Kleine Hunde sind im Verhalten nicht wirklich anders, als Hunde großer Rassen. Unerwünschtes Verhalten stößt nur nicht so arg auf, wie bei einem 40-Kilo-Hund.

Also wird beim 40-Kilo-Hund in der Regel doch von Anfang an darauf geachtet, bestimmte Regeln zu etablieren, was beim kleinen Hund eher mal hinten runterfällt – nicht mit Absicht, sondern einfach, weil wir Menschen sind. Weil wir nicht immer sehen können, wie es in der Gefühlswelt unseres Hundes aussieht und uns einfach nicht vorstellen können, dass ein gewisses Maß an Begrenzungen einem süßen kleinen Hund gut tut, Sicherheit gibt und ihm aufzeigt, wie er sich in unserer Welt verhalten soll, um entspannt mit uns leben zu können.

Fehlt ein Rahmen, kann nur schwer eine gesunde Beziehung zwischen Hund und Halter entstehen. Mit gesunder Beziehung ist nicht gemeint, dass der Hund auf Schritt und Tritt an seinem Menschen klebt und gerne kuschelt, sondern eine Beziehung, in der sich Hund und Mensch auch aufeinander verlassen können, Konflikte sachlich miteinander klären und beide unabhängig voneinander entspannt agieren können.

Es geht also nicht ausschließlich um Regeln, sondern auch darum, auf die Bedürfnisse des Hundes einzugehen. Warum muss jeder meinen Hund anfassen dürfen, nur weil er klein und niedlich ist? Schutz bieten, in unsicheren Momenten sozial unterstützen und dem Vierbeiner gleichzeitig deutlich machen, wo es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen.

Obwohl die meisten Halter ihre Hunde lieben, ihnen unglaublich viel Zuneigung schenken, das schönste Halsband kaufen und wirklich alles für ihren Mini tun würden, kommt es doch immer wieder zu störendem Verhalten bei den Kleinen, dessen Ursache mitunter bei uns liegt.

Viele der „regelfreien“ Hunde fühlen sich durch eine fehlende Führungskompetenz der Halter dazu genötigt, für sie schwierige Situationen selber zu regeln. Was dabei herauskommt, sind völlig überforderte und kläffende Nervenbündel, die dabei ironischerweiser auch noch putzig ausschauen.

Im Internet findet man Videos knurrender „Minis“, die belustigt dazu angestachelt werden. In der Stadt begegnet man Kleinhunden, die in der Leine und im Geschirr hängen, ohne jemals das Recht darauf zu bekommen, bei Intervention ernst genommen zu werden. Konflikte werden übersehen oder weggeschmunzelt, Ängste nie durchgestanden, Regeln nie verstanden.

Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund … mit gleichen, zumindest ähnlichen, Verhaltensweisen und Bedürfnissen.

Zugegebenermaßen neigen wir Menschen dazu, Negatives besser im Kopf zu behalten, als das, was gut läuft. 😉 Es gibt natürlich auch sie – sogar viele davon – die entspannten kleinen Hunde, die ruhig und souverän an der Seite ihres Menschen agieren, die gelernt haben Frust auszuhalten und dass Herrchen oder Frauchen „einen Plan haben“ und man sich darauf verlassen kann.

Der Text ist nicht dazu da, Menschen zu ärgern oder zu verurteilen, denn wir wissen, dass sich niemand mit böser Absicht um den Finger wickeln lässt. 😉

Häufig sind es die liebsten und wärmsten Menschen, denen es am schwersten fällt, der kleinen Knutschkugel Grenzen aufzuzeigen. Wir möchten zum Nachdenken anregen – Was sagt euer Bauchgefühl? Gibt es Situationen, in denen ihr euch wiedererkennt? Wie geht es euch damit? Läuft alles prima oder spürt ihr beim eigenen Knirps auch häufig Unsicherheiten, die zu Verhalten führen, dass euch stört oder sogar gefährlich werden kann?

Für uns ist es eines der schönsten Dinge, einen kleinen Hund an lockerer Leine zu sehen, der freundlich wedelnd neben seinem Menschen läuft und in einer neuen Situation über einen Blick nach oben Kontakt aufnimmt. Einfach nur, um zu fragen, wie der Mensch diese Situation einschätzt oder um ein Lächeln abzugreifen.

Ein kleiner Hund, der gelernt hat, seine Umwelt neutral wahrzunehmen und der weiß, dass sein Mensch in brenzlichen Situationen für ihn einstehen wird, wird sich in der Regel liebend gern zurücknehmen.

Wir freuen uns wahnsinnig über unsere Mini-Gruppen, in denen die fleißigen Teams genau daran arbeiten.

In unseren Augen sind die Kleinen ganz große Persönlichkeiten, wenn man sie lässt – jeder auf seine Weise.
Wahre Stimmungsaufheller, souveräne Begleiter und manchmal eben doch auch etwas charmanter Wahnsinn auf vier Pfoten. 😉