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Die Transportbox als Ruheort für den Hund – eines dieser Themen, bei denen sich die Geister scheiden.

Für den einen ist es die pure Quälerei, für den anderen das absolute Mittel, um dem daueraktiven Vierbeiner die nötige Ruhe zu verschaffen. Doch was macht sie – die Box – nun mit unseren Hunden?

Eines ist Fakt – der Haushund benötigt 17 bis 20 Stunden Schlaf bzw. Ruhe pro Tag. Ja, ihr lest richtig! Und ja, der Tag hat nur 24 Stunden.

Da sich unsere Hunde unserem Aktivitätsrhythmus anpassen, gelingt es ihnen in den seltensten Fällen, die so dringend benötigten Ruhephasen einzuhalten.
Dazu kommt das heftige Überangebot an Freizeitaktivitäten, mit denen wir unsere Vierbeiner über die komplette Woche hinweg auf Trab halten – vom Agility über den Junghundekurs, der Spielstunde bis hin zur Großwanderung und zum Dog Dance – „Sonst bekommt man den ja nie kaputt.“.

Und, wer kennt es? Man gibt wirklich alles! Fast jede freie Minute wird genutzt, um dem Stress-Bolzen gerecht zu werden und ihn bloß nicht zu unterfordern. Die Medien und beinahe jede Lektüre zum Thema trichtern einem regelrecht ein schlechtes Gewissen ein, man tue immer noch zu wenig.

Und wie dankt der treue Begleiter es uns? Mit andauerndem Hinterherlaufen in der Wohnung und ständigen Aufforderungen zum Spiel? Geht man aus dem Haus, müssen Schuhe, Kissen, Socken oder Tapeten dran glauben? Auf die Idee zu schlafen, kommt er sowieso nicht? Und wenn, dann nur solange wir uns nicht aus dem Raum bewegen? Das ist ungesund, macht sogar krank und Hund und Halter das Leben schwer.

Was aber tun, um dem vorzubeugen bzw. dem Duracell-Hasen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen?

Ruhe! Ganz viel Ruhe! 17 bis 20 Stunden am Tag. Entschleunigen, den Wochenplan drastisch abspecken, Kopfarbeit statt Power-Workout und den aufgedrehten Hund zur Ruhe und somit zu seinem Glück zwingen.

Oft scheint es beinahe unmöglich, seinen vierbeinigen Stalker zu Ruhe zu verhelfen, denn an dem zugewiesenen Platz bleibt er auch nur zwei Minuten liegen und springt auf, sobald sich etwas tut. Von Schlaf gar nicht zu sprechen.

Aber wie nun die Ruhe herstellen?

Da kommt sie ins Spiel, die grauenvolle Box, das Gefängnis der gequälten Haushunde und das Wahrzeichen der überforderten Hundehalter.

Klingt ja auch fies, einen Hund stundenlang in eine kleine „Kiste“ zu „sperren“…

Vielleicht ist es ja eine Formulierungssache?

Kann sich denn niemand mehr an den gehassten Mittagsschlaf in der Kindheit erinnern? Diese Zeit des Tages, zu der beinahe jedes Kind seine Eltern hasste und ganz bestimmt nicht müde war? Könnt ihr euch daran erinnern, wie man total gefrustet und gegen seinen Willen ins Bett gesteckt wurde, weil Mama und Papa eben besser wussten, wann man müde war?

Und, was ist dann passiert? Innerhalb der nächsten zehn Sekunden ist man eingeschlafen, während die letzte Träne noch nicht einmal die ganze Wange geschafft hatte. Knappe drei Stunden Nahtoderfahrung in Form von Schlaf folgten.

Waren das schlechte Eltern? Natürlich nicht! Sie wussten eben, was ihre Kinder brauchten, um gesund aufzuwachsen.

Warum haben denn kleine Kinder ein Gitter um ihr Bett? „Um sie zu quälen!“ Nein, unter anderem damit sich die gerade loskrabbelnden und die Welt entdeckenden Hosenmatze nicht allein auf den Weg machen, um sich das nächstbeste bunte Putzmittel reinzupfeifen.

Ein geschlossenes Bett ist bei Kindern normal und bei Hunden Quälerei?!

Ab ins Bett! Äh, ab in die Box! Versuchen wir es mal:

Stellt euch vor, wir stellen eine Box in die ruhigste Ecke eures Wohnzimmers. Euer Hund wäre also nicht vom Familienleben ausgeschlossen, befände sich aber auch nicht im Durchgangsverkehr. Es ist eine Box, die so groß ist, dass sich euer Turbo-Hund strecken, erhobenen Hauptes stehen und locker umdrehen könnte. Sie ist etwas abgedunkelt und in ihr liegt natürlich die kuschelige Lieblingsdecke.

Die Box würde jetzt einige Tage recht unspektakulär in der Gegend herumstehen. Ab und an fände euer Vierbeiner ein Leckerli in ihr vor. Innerhalb der Box wäre er niemals gestört, denn die Box ist das Versprechen an ihn, sich ungestört zurückziehen zu können.

Viele Hunde merken das schnell und die Box wird zum normalen Inventar. Einige Hunde legen sich jetzt schon gerne hinein, anderen ist das „Ding“ noch relativ egal.

Gut klappt es, wenn der Vierbeiner so richtig müde ist. Dann kann man ihn in die Box führen und warten, bis er sich ablegt. Wenn die Augen zufallen, der Hund in seiner Höhle endlich mal so richtig weggedöst ist, wäre das ein toller Augenblick, um ein Buch nahe der Box zu lesen.

Schritt für Schritt macht man die Box zum Naherholungsgebiet.

Hört auf euer Bauchgefühl und schaut, wann ihr die Tür mal heranlehnen und wann ihr sie in eurem Beisein schon mal für ein paar Minuten schließen könnt. Steigert die Dauer und achtet darauf, dass gefressen und getrunken wurde und der letzte Spaziergang nicht allzu lange her ist.

Schon bald könnt ihr euch entfernen und ihr werdet sehen, dass die Box kein Graus, sondern gut antrainiert, eine absolute Wohltat für euren Hund ist.

Was bedeutet denn nun „stundenlang“?

Das ist natürlich abhängig vom Hund (Alter, Gesundheit etc.). Auch hier muss man beobachten und auf das Bauchgefühl hören.
Liegt der Hund nach fünf Stunden immer noch im Tiefschlaf, sind fünf Stunden eben auch gut und richtig.

Für das Training empfiehlt sich übrigens eine ausbruchsichere Box. Hat der Hund einmal herausgefunden, dass man die Box nur ein wenig bearbeiten muss, um herauszukommen, wird sie von der Ruhe-Oase ruckzuck zum Kauartikel degradiert.

Später, wenn euer Hund die Box ausschließlich mit Ruhe und Schlaf verknüpft, kann gerne auch ein Soft-Kennel her. Das gefällt (uns Menschen) meistens wesentlich besser. 😉

Wenn man über die letzten Sätze noch einmal nachdenkt, wird deutlich, dass das alles andere als schroff ist und nichts mit Quälerei zu tun hat. Uns wurde das Kinderbett nicht so behutsam erklärt. Da wurde man reingepackt und gut war.

Vergesst also bei der ganzen netten Annäherung an die Box bitte nie, dass auch ein Hund, der die Box mag und kennt, mal nörgeln kann und dass das nicht immer gleich ein Öffnen der Box bedeuten darf. Wir kamen damals auch nicht um den Mittagsschlaf herum und das tat uns gut.

Was für Vorteile gibt es noch?

Hunde, die nicht alleine bleiben können, profitieren von der Box häufig ungemein, denn die alleinige Verantwortung für die ganze Wohnung wird ihnen abgenommen und die Umweltreize halten sie nicht mehr ständig auf Trab. Auch schützen wir sie vorübergehend davor, sich selbst zu schaden. Nicht wenige Hunde haben sich unbeaufsichtigt vergiftet oder etwas gefressen, dass von alleine nicht wieder herauskam.

Auch Hunde, denen das Autofahren nicht bekommt, kann die Box das Leben sehr erleichtern, da nicht mehr ständig Reize an ihnen vorbeirauschen.

Freunde zu besuchen, wird wieder entspannt. Die Klapp-Box kann überall mit hingenommen werden. Wird der Vierbeiner müde oder gestresst und findet keine Ruhe oder ist überdreht, geht’s „ab in die Box“ – Freunde und Hund sind dankbar und man selbst kann sich wieder auf die Gespräche konzentrieren.

Wird die Box so vielfältig eingesetzt, ist sie für den Hund schnell ein Selbstverständliches und auch ein Segen.

Gerade Welpen müssen so viel verarbeiten und benötigen besonders viele Ruhepausen. Sie nehmen die Box sehr schnell an und man bringt ihnen von Anfang an bei, genug zu schlafen, alleine zu bleiben bzw. nicht überall hinterherzulaufen und auch mal ein wenig Frust auszuhalten. 😉

Da jeder Hund eine andere Persönlichkeit und andere Vorerfahrungen hat, gibt es ganz sicher auch Ausnahmen. Bekommt ein Hund Panik, weil er zum Beispiel schlimme Vorerfahrungen hat oder gesundheitlich etwas nicht in Ordnung ist, muss immer individuell geschaut werden, ob die Box ein geeignetes Hilfsmittel ist.
Niemals darf ein Hund täglich über den Großteil des Tages in einer Box verwahrt werden. Das wäre tierschutzrelevant und ganz sicher nicht im Sinne des Hundes.

Also nutzt die Box mit Herz und Verstand und angemessen an Alter, Gesundheit und Persönlichkeit eures Hundes. Achtet darauf, dass alle Bedürfnisse befriedigt sind und die Box auch nur so lange verschlossen bleibt, dass euer Hund nie in Not gerät. Dann ist die Box als Lernhilfe eine tolle Sache! 🙂

Wer einen tiefenentspannten Hund zu Hause hat, der auch ohne Box seine Ruhe und genügend Schlaf findet, kann natürlich auf eine Box verzichten. 😉

Euer DOG Study-Team!